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Ist
ein Schiedsrichter, dessen Unbefangenheit bezweifelt wird, den Parteien
eines internationalen Schiedsgerichtsverfahrens zumutbar ?
Dies war die erste von vielen juristischen Fragen, die von den Teilnehmer
dieses Jahr beim zehnten Willem C. Vis International Commercial Arbitration
Moot zu beantworten war.
Dieser jährlich stattfindende Wettbewerb ist mit seinen mittlerweile
128 teilnehmenden Universitäten aus 40 Ländern der größte
Moot der Welt auf dem Gebiet des internationalen Handelsrechts. Er wird
von der Pace University, USA gemeinsam mit der United Nations Commission
on Inter-national Trade Law (UNCITRAL) veranstaltet und befasst sich mit
Rechtsfragen, die nach dem UN-Kaufrecht (CISG) zu lösen sind. Entsprechend
dem Prinzip des Mootcourts, bei dem der Ablauf eines gerichtlichen Verfahrens
simuliert wird, schlüpfen die Studenten in Wien in die Rolle von
Anwälten und verhandeln in englischer Sprache vor einem aus Praktikern
bestehenden Schiedsgericht einen fiktiven Fall, in diesem Jahr nach den
Regeln des Deutschen Institutes für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS).
Nabil El Eid, Katharina Kraatz, Stefan Langbein, Stephan Linden, Robert
Nachama, Juliane Nikl, Wiebke Oetting, Kirstin Stadtländer, Fabian
Stiller, Sandra Wagner und Jan Weidmann bildeten das Team der juristischen
Fakultät der Humboldt-Universität, die über das Institut
für Anwaltsrecht unter der Betreuung von Wiss. Mitarb. RA Karl-Michael
Schmidt bereits seit 5 Jahren in Wien teilnimmt, und kämpften um
Preise für das beste Team, die besten Sprecher und die besten Schriftsätze.
Dies taten sie so erfolgreich, dass ihre Leis-tung mit dem "Frédéric
Eisemann Award" für das beste Team (2. Platz), dem "Pieter
Sanders Award" für den besten Klägerschriftsatz (3. Platz),
dem "Werner Melis Award" für den besten Beklagtenschriftsatz
(Honorable Mention), sowie dem "Martin Domke Award" für
die besten Einzelsprecher an Stephan Linden und Robert Nachama (Honorable
Mention) belohnt wurde. Sie waren damit insgesamt das erfolgreichste Team
des Wettbewerbs.
Doch bevor sich die HU-Studenten im feinen Zwirn in der Woche vor Ostern
in den Verhandlungen mit den Teams der Harvard Law School (Cambridge),
Lojola Law School (Los Angeles), sowie den Universitäten Carlos III
(Madrid), Ljubeljana, Ottawa, Pace und München gemessen haben, um
schließlich im Finale im Festsaal des wunderschönen Wiener
Rathauses mit dem Team der "National University of Juridical Science"
aus Kalkutta um den Preis für das beste Team zu ringen, hatten sie
einen langen Weg zurückgelegt. Sechs Monate zuvor erhielten sie,
wie alle Teilnehmer auf der ganzen Welt, von Prof. Eric Bergsten, dem
Organisator der Veranstaltung, den Sachverhalt und verfassten auf dieser
Grundlage zehn Wochen lang eine Klageschrift, in der sie die Fakten im
Interesse des Mandanten analysierten und den Standpunkt des Klägers
mit internationalen Gerichtsentscheidungen und Literatur unterlegten.
Ihr fertiger Schriftsatz wurde einer anderen teilnehmenden Universität
zugelost, die hierauf eine Erwiderung für den Beklagten verfasste,
während das Team der HU sich nun seinerseits acht Wochen lang als
Beklagtenvertreter mit den Argumenten eines anderen ihm zugewiesenen Klägerschriftsatzes
auseinander zu setzten hatte.
Nachdem im Februar alle Schriftsätze ausgetauscht waren, begann in
Berlin die Vorbereitung auf die mündlichen Verhandlungen des Falles
in Wien. Um in dem auf hohem Niveau ge-führten Wettbewerb auch gut
abzuschneiden, hatte das Institut für Anwaltsrecht verschiedene im
Schiedsverfahrensrecht erfahrene Praktiker eingeladen, die als Vorsitzende
die zahlreichen Übungsverhandlungen vor der Abreise nach Österreich
leiteten.
Dank
für den Erfolg gebührt daher auch Frau RAuNin Dr. Astrid Frense
(Nörr Stiefenhofer Lutz), Frau Ruth M. Janal, LL.M., RA Dr. Gerhard
Dorner (Wilmer Cutler Pickering Quack), RAuN Dr. Heinrich Hüchting
(Göhmann Wrede Haas Kappus & Hartmann), RA Jens-Peter Lachmann
(Lachmann & Welsh), RA Dr. Andreas Nelle, M.P.A., RA Friedrich Tobias
Schöne (beide Hogan Hartson Raue), Prof. Dr. Bruno Zeller (Victoria
University Melbourne) und ganz besonders Frau Muna Schulze-Hagenest und
Herrn Ulrich Schroeter für ihr Engagement.
Geübt wurde dabei im Vorfeld nicht nur innerhalb der eigenen Mannschaft,
sondern auch mit den Teams der Bucerius Law School Hamburg, der Universitäten
Frankfurt am Main, Potsdam und Rostock, der Harvard Law School, Cambridge,
der Victoria University, Melbourne, der Universidad de la Americas, Mexiko-City,
sowie mit den Teams der Universitäten Genf und Rijeka.
Der Willem C. Vis Moot ist damit für die Studenten nicht nur eine
einmalige Gelegenheit, im Studium ihr materielles und prozessuales Wissen
auch praktisch zu erproben, ihre rhetori-schen Fähigkeiten zu verbessern
und sich in juristischer Argumentation zu üben, sondern auch eine
wunderbare Chance, Kontakte zu anderen Juristen aus der ganzen Welt zu
knüpfen und Freundschaften zu schließen.
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Das
Team der HU beim 10th W.C. Vis International Arbitration Moot in Wien
mit Coaches (von links nach rechts)
Hinten: Fabian Stiller, Robert Nachama, Jan Weidmann, Stephan Linden,
Nabil el Eid
Mitte: Selina Strehlow, Wiebke Oetting, Kirstin Stadtländer,
Karl-Michael Schmidt
Vorn: Ragna Kretschmer, Muna Schulze-Hagenest, Juliane Nikl, Sandra
Wagner, Stefan Langbein
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