Letzte Änderung: 30. März 2017

Das Forschungsinstitut für Anwaltsrecht: Aufgaben und Ziele

Über achtzig Prozent der Absolventen des rechtswissenschaftlichen Studiums in Deutschland ergreifen den freien Beruf der Rechtsanwältin oder des Rechtsanwalts. Um diesem hohen Anteil der Studierenden bereits frühzeitig ein realistisches Bild von den besonderen Aufgaben, Methoden und Anforderungen anwaltlicher Tätigkeit zu vermitteln, bezieht die Juristische Fakultät der Humboldt-Universität seit langem verstärkt die Anwaltsperspektive in die Juristenausbildung ein. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet das an der Juristischen Fakultät eingerichtete und von der Hans-Soldan-Stiftung finanziell unterstützte Forschungsinstitut für Anwaltsrecht (IfA).

Das IfA an der Humboldt-Universität verfolgt das Ziel, die Studierenden auf die beruflichen Anforderungen anwaltlicher Tätigkeit gut vorzubereiten, indem es eine Vielzahl von erfahrenen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten als Dozenten und Honorarprofessoren in den akademischen Unterricht integriert und ihnen ermöglicht, eigene berufliche Erfahrungen an die Studierenden weiterzugeben.

Das IfA hat in den Jahren seines Bestehens dafür einen Kreis von hoch motivierten und kompetenten Praktikern gewinnen können. Auch im laufenden Jahr haben diese mit ihrem Engagement wesentlich dazu beigetragen, das Lehrangebot der Juristischen Fakultät zu erweitern und um die praktische Anwaltsperspektive zu bereichern. Seit der Studienreform im Jahr 2003 wird die rechtsberatende Perspektive in Gestalt einer anwaltsorientierten Lehre sowohl in den obligatorischen Vorlesungen des Grund- und Hauptstudiums als auch in den obligatorischen und optionalen Lehrveranstaltungen des Schwerpunktstudiums, insbesondere im Schwerpunkt 3 ("Zivilrechtliche Rechtsberatung und Rechtsgestaltung"), sowie in weiteren Veranstaltungen zum Erwerb fachübergreifender Schlüsselqualifikationen vermittelt.

Im Jahr 2006 hat die Juristische Fakultät im Hinblick auf den Exzellenzwettbewerb und die Reform der Humboldt-Universität zu Berlin ihre Profillinien klar definiert. Eine der Profillinien zielt auf die Inhalte "Rechtsgestaltung, anwaltliche Rechtsberatung und Rechts-politik". Diese spiegeln nicht nur die zentralen Bereiche und Ziele von Forschung und Lehre an der Juristischen Fakultät wider, sondern prägen vor allem auch die Ausrichtung des rechtswissenschaftlichen Lehrangebots im Schwerpunktstudium sowie die universitäre Struktur- und Berufungspolitik.

Das IfA bemüht sich ferner seit einigen Jahren um die Förderung des Dialogs zwischen Anwaltschaft, Justiz und Rechtswissenschaft. Als Forum dafür dienen regelmäßige Vortragsveranstaltungen während des Semesters sowie die IfA-Jahrestagungen im Herbst, auf denen aktuelle Rechtsfragen mit Bezug zur anwaltlichen Berufspraxis, insbesondere dem anwaltlichen Berufsrecht und der Berufshaftung, diskutiert werden.

Das IfA unterstützt darüber hinaus Studierendenteams bei internationalen Universitätswettbewerben - wie dem "Willem C. Vis International Arbitration Moot", dem "Phillip C. Jessup Moot" oder dem Moot Court am Bundesarbeitsgericht in Erfurt - und veranstaltet jährlich in Zusammenarbeit mit der Tulane University Law School (New Orleans, USA) eine "International Summer School on Dispute Resolution".

Das IfA arbeitet ferner zusammen mit der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder im Rahmen des weiterbildenden Masterstudiengangs "Mediation" (Abschluss Master of Arts). Dieser Studiengang vermittelt auch den Absolventen eines juristischen Studiums wichtige Kenntnisse und Kompetenzen zur alternativen Konfliktbeilegung.

Zahlreiche Professoren der juristischen Fakultät beteiligen sich an der Institutsarbeit: neben Prof. Reinhard Singer (Geschäftsführender Direktor) sind dies die Professoren Ulrich Battis, Alexander Ignor, Thomas Raiser, Christine Windbichler, Volker Römermann und Harald Koch.

Rechtsanwältin Antje G. I. Tölle führt als Mitarbeiter die Geschäfte des Instituts.